Die Fliege des Präsidenten


Fritz Stummer

Chefredakteur des Ybbstalers in seinem Leitartikel vom 25. Juni 2009


Vergangene Woche machte eine Schlagzeile allen Ernstes weltweit die Runde, nämlich dass US-Präsident Barack Obama eigenhändig eine Fliege in seinem Büro erschlagen haben soll. Dass der ORF dann dieses epochale Nachricht nicht nur im Teletext verkündet, sondern auch noch in der ZIB 2 zum Thema gemacht hat, bestätigt meinen seit langen gehegten Verdacht, dass meine Fernsehgebühren, die ich regelmäßig entrichte, für den sprichwörtlichen Hugo sind und mehr in die Kategorie Hilflosenzuschuss einzuordnen sind.


Ein anderes und echtes Thema, ein wirkliches Zukunftsthema, dem die Politik höchste Priorität beizumessen hätte, ist aber wohl jenes der Überalterung unserer Gesellschaft und aller daraus resultierender Konsequenzen. Eine dieser Konsequenzen ist das sinnvolle und humane Gestalten des Lebens im Alter, die Integration der älteren Generation in das gesellschaftliche Miteinander.


In Ybbsitz hat sich jetzt eine Initiative gebildet, die sich mit diesem Thema aktiv auseinandersetzt, ein Verein wurde gegründet, der sich mit der Umsetzung konkreter Projekte befasst. AGYL nennt sich dieser Verein und steht für Alt und Glücklich in Ybbsitz Leben. Was ich bei AGYL so bemerkenswert finde und was bei der Vorstellung der Ziele und Projekte so fasziniert hat, sind der offene Ansatz und die Bereitschaft die Dinge selbst in Angriff zu nehmen. Denn auch bei diesem komplexen Problem der Überalterung in unserer Gesellschaft könnte man ähnlich wie bei der Klimaproblematik die Verantwortung einfach nach oben delegieren, ganz nach dem Motto: Was kann ich als einzelner schon dagegen tun?


Dass wir sehr wohl etwas dagegen tun können, beweisen die Aktivisten von AGYL, die bereits eine Fülle von Aktivitäten ersonnen haben, mit denen das Miteinander, das Voneinander und das Füreinander in Ybbsitz verbessert wären. Hier übernehmen Bürger selbst Verantwortung, ergreifen die Initiativen und versuchen ihren persönlichen Beitrag zu leisten. Dafür gebührt ihnen jetzt schon meine größte Anerkennung. Was letztlich dabei wirklich herauskommt, wird sich weisen, und es ist zu hoffen, dass es ein Erfolg wird, der auch in umgesetzten Projekten wie dem geplanten Haus des Lebens, einem Wohnbauprojekt im Ortskern, in dem auch betreubares Wohnen umgesetzt werden soll, gemessen werden kann. Genauso wichtig ist meines Erachtens aber auch die Bewusstseinsbildung für das Thema des Älterwerdens, des Integrierens der älteren Generation in die Prozesse der Gesellschaft.


Positiv aufgefallen ist, dass zur Präsentation von AGYL auch Bürgermeister und politische Vertreter anderer Gemeinden nach Ybbsitz gekommen sind. Aus solchen von Bürgern selbst getragenen Initiativen kann viel entstehen und jede Gemeinde sollte vitales Interesse daran haben, wenn solche Prozesse auch innerhalb ihrer Ortsgrenzen Platz greifen würden.


Ich will hier aus einer Mücke keinen Elefanten machen, aber die Ybbsitzer AGYL-Mücke ist jedenfalls tausendmal größer als Obamas Fliege, die der ORF zum Elefanten machte. Vielleicht sollte der ORF einmal mit einem Kamerateam in Ybbsitz vorbeischauen, gegen das redaktionelle Sommerloch wäre ein AGYL-Beitrag jedenfalls besser als eine Präsidentenfliege.


Fritz Stummer
Ybbstaler, Seite 2 vom 25. Juni 2009

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